Papa, ich vergebe dir | Eigenverantwortliche Heilung nach sexuellem Missbrauch

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Hey meine Schöne. Heute sprechen wir darüber, warum es an dir liegt, ob du Heilung erfährst oder nicht. Und welche Rolle die Vergebung dabei spielt.

Dass ich offen über den sexuellen Missbrauch in der frühen Kindheit spreche, führt bei meinen Lesern zu offenen Mündern und ganz viel Erstaunen, wenn sie nicht zu sehr vom MitLEID gebeutelt werden. Das Feedback zu diesem zugegebenermaßen nicht ganz leichten Thema ist meistens rührend.

Manchmal aber auch nicht, denn dieses Thema polarisiert, und natürlich bin ich mir dessen vollkommen bewusst.

Aber wie sage (und schreibe) ich immer so gern: Es wird sich nichts verändern, wenn wir nichts verändern.

Und genau das hier, das Schreiben, ist mein Beitrag, die Dinge zu verändern.

Indem ich von meinen ganz persönlichen Erfahrungen berichte, hoffe ich, andere Frauen erreichen zu können, die Ähnliches erleben mussten – aber von Heilung vielleicht noch meilenweit entfernt sind.

Ihnen will ich sagen: „Kopf hoch, du wunderschönes, starkes Wesen. Die Schäden sind nicht irreversibel. Du bist stärker als du glaubst, und die Zusammenhänge sind viel komplizierter, als dir bisher klar ist. Und und sie sind…liebevoller.“

Und vielleicht fragst du dich jetzt gerade auch, was dieses Thema auf einem Blog für Medialität, Magie und Heilung zu suchen hat?

Das ist leicht erklärt: Erst, wenn wir uns unsere Themen anschauen, erkennen und vergeben, können wir transformieren und heilen. Die Medialität ist hierfür das Instrument. Aber eigentlich ist es die Heilung, die wir alle von Natur aus anstreben.

UND: Medialität ist das ultimative Werkzeug zur Selbsttherapie. Wenn du deine medialen Fähigkeiten so weit ausgearbeitet hast, das du sie aktiv für Transformationsprozesse nutzen kannst, indem du beispielsweise den Heilraum oder deinen Kraftort aufsuchst um dort deine Themen zu bearbeiten, dann hältst du den Schlüssel zu deinem HeilSEIN in Händen.

Medialität ist so viel mehr, als nur mit Toten zu sprechen.

Medialität ist so viel wertvoller, als mit Karten oder Pendel oder Akasha Chronik herauszufinden, ob er dich nun liebt oder nicht.

In Wahrheit ist die Medialität das Werkzeug für Erkenntnis und Weisheit. Und damit wird es uns möglich, zu heilen.

Alles, was wir brauchen, tragen wir längst in uns. Wir müssen nur wieder lernen, uns selbst und der geistigen Welt zuzuhören.

Wir brauchen keine Langzeittherapien (für die es eh kaum Plätze gibt). Wir brauchen keine fragwürdigen Therapeuten, zu denen wir eigentlich keine Bindung haben, die aber alles sind, was wir kriegen, weil wir Kassenpatienten sind. (gute Therapeuten, die einen unterstützen und nicht versuchen, einem die eigene Meinung aufzuzwingen, nehme ich hier freilich aus. Aber was man so hört, sind die eher selten. Vielen Dank an dieser Stelle an MEINE Therapeutin).

Was wir brauchen sind WIR.

Einsicht in unser Innerstes. Unser Höheres Selbst. Unser Inneres Kind.

Und all das und noch viel mehr erreichst du mit den dir natürlich mitgebenen Übersinnen. Deinen Sinnen für die Übersinnliche Wahrnehmung.

Was uns nämlich über die Jahrhunderte eingeredet wurde, ist nicht wahr.

Wir sind NICHT krank. Wir sind NICHT verdammenswert. Wir sind NICHT allein. Und wir stehen NICHT zwischen Himmel und Hölle.

Wir sind mächtig, kraftvoll, geliebt, getragen und beschützt. Und sobald wir unsere Sinne wieder gebrauchen, erinnern wir uns daran.

Wir erinnern uns, dass wir wortwörtlich Berge versetzen können.

Wir erinnern uns, dass wir uns selbst heilen können.

Wir erinnern uns, dass wir alle eins und in Liebe verbunden sind.

Wir erinnern uns, dass nichts, wirklich rein gar nichts grundlos geschieht.

Schwere Kost: Sexueller Missbrauch in der Kindheit

Ich hab es weiter oben schon geschrieben: Das ist ein nicht ganz einfaches Thema.

Das Ding ist nur: Das gilt nicht für mich, sondern für meine Leser.

Mir wurde in wirklich hasserfüllten Blogkommentaren sogar schon Schizophrenie attestiert, weil ich ja die Frechheit besitze, offen darüber zu sprechen, dass ich von meinem Vater in der frühen Kindheit bis ich etwa acht Jahre alt war, missbraucht wurde.

Ich gestehe: Ich bin schamLOS.

Ich schäme mich nicht dafür, was mein Vater mit mir getan hat. Wieso sollte ich auch? Ich war noch nicht ganz drei Jahre alt, als es angefangen hat.

Sexueller Missbrauch ist viel weiter verbreitet, als wir alle ahnen. 2017 wurden 13.539 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern polizeilich erfasst (Quelle: Statista; hier wird auch angemerkt, dass die Dunkelziffer weit darüber liegen muss). Und aus meinen Readings weiß ich, dass die Dunkelziffer gigantisch hoch sein muss.

Der Grund, warum nur ein Bruchteil der Fälle tatsächlich zur polizeilichen Erfassung gelangen, liegt in der Tabuisierung des Themas.

Man spricht nicht darüber.

Sexualität ist nach wie vor ein Thema, über das eher vereinzelt offen gesprochen wird – auch, wenn die Emanzipation der weiblichen Sexualität mittlerweile auf dem Vormarsch ist. Übrigens ein riesiger Schritt in Sachen selbstbestimmter Verarbeitung und eigenverantwortlicher Heilarbeit.

Noch schwieriger wird es dann, wenn man über Dinge spricht, die anrüchig, verdorben, verboten sind.

„Pfui bäh!“ liest man da in den Gesichtern, wenn das Thema Sexueller Missbrauch in der Kindheit auf den Tisch kommt. Gepaart mit „ein Glück ist mir das nicht passiert“ und „will die sich jetzt wichtig machen, dass die jetzt hier darüber spricht??“.

Es wird eher meinem vermeintlichen Profilierungswahn zugeschrieben, wenn ich offen darüber spreche und schreibe, was ich in meiner Kindheit erlebt habe und wie das mein Leben verändert hat, als dass darin der Wunsch gesehen wird, endlich mit einem Tabuthema zu brechen.

Dabei ist gerade dieses Brechen mit der Tabuisierung so wichtig – und zwar für die gesamte Gesellschaft.

Dass wir in unserer Gesellschaft nicht offen darüber sprechen können, was täglich hunderten von Kindern hier in Deutschland (!) widerfährt, liegt nicht daran, dass das für die Opfer von Natur aus zu traumatisch ist. Wir sprechen nicht darüber, weil es verdammtnochmal keiner hören will.

Erstens will niemand wirklich wissen, dass in der eigenen Familie oder Nachbarschaft oder im Freundeskreis Männer und auch Frauen leben, die augenscheinlich nur für die Befriedigung ihrer Lust mutwillig das Leben von Kindern zerstören. Denn über die Folgeschäden des Missbrauchs spricht man allgemeinhin auch nicht gern.

Und ganz ehrlich: Eigentlich ist das auch momentan noch gut so. Die meisten Menschen würden mit purem Hass auf die „Täter“ reagieren, es würden Menschenjagden veranstaltet, und vielleicht fühlte sich sogar der eine oder andere Lynchmob berufen, seiner Pflicht nachzukommen.

Ich muss es vermutlich nicht erwähnen, tue es aber trotzdem: DAS kann natürlich nicht der Weg sein. Und vielleicht muss die Veränderung zum HINHÖREN Hand in Hand gehen mit dem Wandel der ewigen Schuldzuweisungen.

Warum es so wichtig ist, das Schweigen zu brechen

Wir, die Opfer, müssen endlich das RECHT zugesprochen bekommen, offen über die Dinge, die mit uns gemacht wurden, sprechen zu dürfen.

Und das meine ich natürlich nicht im juristischen Sinne.

Ich meine, dass wir das Sprechen über die Taten der Täter zu etwas „normalem“ machen müssen – denn JA!! Verdammte Scheiße, für fast 14Tsd Kinder in Deutschland war das im vergangenen Jahr verdammt normal!

Es muss normal werden, über das, was man an Leid erfahren hat, offen sprechen zu können. Ohne danach in bestürzte Gesichter schauen zu müssen. Ohne dass schnellstmöglich vom Thema abgelenkt wird. Ohne den Vorwurf, dass sich da ja nur jemand in den Mittelpunkt stellen will.

Und WIR ALLE müssen da zusammenarbeiten.

Die Opfer müssen den Mut finden, das Unaussprechliche offen auszusprechen. Und ALLE ANDEREN – die GESAMTE GESELLSCHAFT – muss gefälligst die Klappe halten, abfällige Bemerkungen für sich behalten und einfach nur zuhören.

Das würde schon viel verändern.

Aber warum ist das so wichtig?

Naja, zum einen würde man den Tätern erstmal ganz faktisch die Handhabe entziehen. Wenn es sich „normal“ und „erlaubt“ anfühlt, auch über Schlimme Dinge mit allen Menschen offen sprechen zu können, weil man geliebt, und getragen und voller Verständnis angehört wird, dann würde diese „wenn du das jemandem erzählst…“-Erpressung nicht funktionieren.

Die Täter können ihre Opfer nur dadurch (manchmal über Jahre!) zum Schweigen bringen, weil die Opfer suggeriert bekommen, etwas getan zu haben, wofür sie sich schämen müssten.

Warum würde das helfen?

Ganz einfach: Es würde jedem einzelnen Opfer dabei helfen, das, was ihm angetan wurde, in einem ersten und elementaren Schritt erstmal zu akzeptieren.

Verdrängung kann nur so lange funktionieren, so lange man sich nicht den Tatsachen stellen muss. Oder besser gesagt STELLEN DARF, denn genau das ist es, wie es aktuell funktioniert.

Es kostet Überwindung, darüber zu sprechen. Und sich in einem ersten Schritt überhaupt erst mal selbst einzugestehen, dass da was passiert ist, das einen zutiefst verletzt hat. Denn, wenn man sich eingesteht, dass man verletzt wurde, dann fühlt man im nächsten Schritt den Schmerz. Ein Eingeständnis hat immer auch die Akzeptanz dieses Gefühls, das man sich eingestanden hat zur Folge.

Und man geht da voll durch.

Wieso sollte man sich das antun, wieso sollte man der Verletzung erlauben, einem so richtig weh zu tun, wenn man im nächsten Schritt, wenn es darum geht, darüber zu sprechen, gegen Wände rennt?

Wieso erst den Schmerz zulassen, wenn man ihn danach umgehend wieder in sich einschließen muss, weil einem niemand glaubt oder glauben will, weil einem niemand zuhört oder zuhören will, weil sich das, worüber man da sprechen möchte, ja so nicht gehört.

Und für alle, die, die nicht wissen, wie mächtig Verdrängung sein kann: Um die Seele zu schützen kann sie so erfolgreich durchgeführt werden, dass man komplett vergisst. Und das, wie du dir vielleicht vorstellen kannst, macht die Aufarbeitung wirklich schwierig.

Das Resultat wirklich erfolgreicher Verdrängung (als Mechanismus des „über sowas spricht man nicht“) sind Unausgeglichenheit, Depression, Dissoziation, Essstörungen, ein gestörtes Verhältnis zu seinem Körper, ein gestörtes Verhältnis zu seiner Identität, Narzissmus, Misstrauen, das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse bis hin zur Selbstaufgabe, ein gestörtes Sexualverhalten (ist ja kein Wunder), unzähmbare Wut, scheinbar grundlose Wutausbrüche, Ängste – kurz: Es sind eine Vielzahl an Störungen möglich, die im besten Fall nicht in Gesamtheit auftreten, wohl aber häufig in diversen Kombinationen.

Dass das die Lebensqualität erheblich mindert, brauche ich hoffentlich nicht erwähnen.

Selbstbestimmung und Glück, geschweige denn die bedingungslose Liebe, liegen in diesem Zustand in weiter, wirklich weiter Ferne. Denn wie soll man glücklich sein, wenn man sich nicht mal erlaubt, eigene Bedürfniss zu haben? Das ist vermutlich für alle „Nicht-Missbrauchten“ schwer zu verstehen, aber um zu Überleben lernst du, deine Instikte wie Flucht und Angst zu ignorieren. Du, dein ganzes Sein, geht in einen wortwörtlichen Überlebensmodus über, und du lernst (und verinnerlichst): Deine Bedürfnisse sind nichts wert. Oder am besten sogar gar nicht existenz.

Puh, da steckt echt sooo viel dahinter. So viel Leid, dass den Opfern zugefügt wird. So viel, dass sie für viele viele Jahre erstmal NICHT sein oder lernen dürfen.

Das gilt für mich selbst ja auch. Ich habe mit 33 Jahren endlich angefangen, ICH zu sein. Mit Wünschen, Bedürfnissen, einem gesunden Verhältnis zu meiner Identität. Und die Transformation läuft weiter, Baby.

Aber hier bin ich nur angekommen, weil ich irgendwann den Mut fand, darüber zu sprechen. Und das nicht nur mit meiner Therapeutin, denn vorher musste erst mal ausgesprochen werden, was da im Dunkeln lag.

HEILUNG, und damit meine ich die wirklich Heilung der Seele, des ganzen Seins, die Art von Heilung, die uns früher oder später in die bedingungslose Liebe führt, ist ein „Mehr-Schritte-Programm“.

Ähnlich, wie bei den Alkoholikern, nur das die nicht blöd angeschaut werden, wenn sie sagen, sie haben ein Alkoholproblem. Zumindest mittlerweile nicht mehr.

Das Aussprechen und damit das Annehmen ist der erste Schritt auf einem wirklich langen, steinigen, verdammt unbequemen Weg, den das Opfer immer nur selbst gehen kann – auch, wenn es sich dabei liebevoll begleiten lässt.

Deshalb MUSS das Aussprechen normal werden dürfen.

Solange wir die Opfer sexuellen Missbrauchs (und ehrlich gesagt ist es egal, wie alt sie sind, wenn sie missbraucht werden. Verletzungen sind Verletzungen) daran hindern, offen und ohne Angst über das Erlebte zu sprechen, berauben wir sie – WIR, DIE GESAMTE GESELLSCHAFT – ihrem natürlichem Recht auf nachhaltige Heilung.

Eigenverantworliche Heilung – ein harter Weg, der sich lohnt

Ich habe grad eben schon geschrieben: Das Aussprechen ist nur der erste Schritt.

Das Aussprechen ist fraglos der Wegbereiter. Es ist die gefallene Entscheidung.

Das Aussprechen ist der Anfang eines neuen, wundervollen Lebens.

Aber mit dem Aussprechen alleine ist es leider noch nicht getan.

Wenn wir uns dazu entschließen, unsere Verdrängungsmechanismen aufzugeben und endlich hinzuschauen, damit unsere Seele heilen kann, dann ist das ein mutiger Schritt, der mit viel Schmerz verbunden ist.

All die Gefühle, die wir so lange Zeit erfolgreich unterdrückt haben, dürfen nun zu Tage treten und gelebt werden. Das macht wortwörtlich Angst, tut weh, macht wütend – und zwar so sehr, dass es dich teilweise sogar tagelang außer Gefecht setzen kann.

Heute weiß ich, dass mich Angst lähmt. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich lag tagelang bewegungslos im Bett und konnte kaum essen.

Und ich weiß, dass der Spruch „sich vor Angst in die Hosen machen“ nicht von ungefähr kommt. Angst, wirkliche, echte, lebensbedrohliche Angst (das ist es, was wir während des Missbrauchs eigentlich erleben aber erfolgreich beiseite schieben) kann Symptome wie eine Magen-Darm-Grippe auslösen. Und ja, man scheißt sich vor Angst die Seele aus dem Leib.

All die Trauer, der Schmerz, der verletzte Stolz, die Enttäuschung, der Verlust des (Ur)Vertrauens…all das tut furchtbar weh. Es ist echter, wirklicher Herzschmerz. Es ist der schlimmste Liebeskummer, den du je erlebt hast.

Aber ich sag dir was: Du stehst das durch. All das stehst du durch. Und du wirst endlich zu dem Menschen, der du wirklich bist.

Du wirst DU.

Aber auch das ist noch nicht das Ende des Weges. Denn zur Heilung deiner Seele gehört sehr viel mehr.

Wenn du an dir, deiner Persönlichkeit, deiner Medialität arbeitest, dann erkennst du mehr und mehr, dass das, was dir in DIESER Inkarnation zugestoßen ist, vielleicht längst nicht das schlimmste ist, was du jemals erlebt hast. Weil du erkennst, dass DU in Wahrheit nicht nur das bist, was du jetzt bist. Du bist ja sehr viel älter, und du hast schon verdammt viel erlebt.

Erkenntnisprozesse, die dein Sein in einen weit umfangreicheren Seelenplan einordnen, helfen dir zu verstehen, warum das passiert ist. Und auch dabei zu verstehen, dass nichts auf der Welt grundlos geschieht.

Wir sind hier um zu lernen. Und je älter du bist, je mehr du schon gelernt hast, umso diffiziler werden die Lektionen.

Wir sind hier, um zu wachsen. Und wir durchlaufen Transformationsprozesse, um Stück für Stück wahrhaftig über uns hinaus zu wachsen.

All das lässt dich heilen: Annahme und Akzeptanz, Aufarbeitung, Erkenntnis, Transformation.

Du veränderst dich. Und du veränderst deinen Blick auf die Welt und die Dinge, die in ihr geschehen. Das ist nur natürlich.

Und diese Art der Heilung kann nur in Eigenverantwortung geschehen.

DU musst da durch. Nicht allein(gelassen), aber in Eigenverantwortung.

Es ist deine Verantwortung das zuzulassen und dir die Heilung zu erlauben.

Und dann, wenn du so weit bist, kannst du den letzten Schritt machen, der essentiell für deinen Heilungsprozess ist.

Papa, ich vergebe dir! Vergebung als Selbstheilungskonzept

Was jetzt kommt, ist starker Tobak.

Und ich weiß natürlich, wie verdammt schwer das ist. Schließlich bin ich selbst da durch (und eigentlich stecke ich noch drin in diesem Prozess).

Und „Vergebung“ ist nichts, was man erzwingen oder künstlich generieren kann.

Vergebung passiert von ganz allein. Alles, was wir tun können, ist die Prozesse dazu in Gang zu bringen – und das ist etwas, das ich dir wirklich empfehlen möchte. Und zwar von ganzem Herzen.

Dabei ist die Vergebung als Teil eines Selbstheilungskonzeptes keine neue Idee.

Meine Therapeutin meinte gegen Ende der Therapie, dass sie sich gut vorstellen könne, dass Vergebung für mich das Mittel der Wahl wäre. Eben dann, wenn ich so weit sei.

Aber tatsächlich hat ja schon Jesus Vergebung gepredigt; dass das „halte auch die andere Wange hin“ zum Täterfreifahrtsschein fehlinterpretiert wurde…naja. Sagen wir, es macht es nicht weniger wahr.

Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, in uns, in der Welt, in allem, was ist, dann dürfen wir in die Vergebung gehen. Denn nur so gelangen wir zur bedingungslosen Liebe.

Liebe, die wertfrei ist. Ohne Bedingungen. Wenn du es schaffst, jemandem aufrichtig und mit ganzem Herzen zu lieben, obwohl er dir schreckliches angetan hat (und zwar auch ohne dass er dafür Buße tut) – tja, DANN hast du es wohl geschafft.

Dann liebst du bedingungslos.

Und jetzt nehmen wir uns einen Moment und stellen uns gemeinsam eine Welt vor, in der alle Menschen DAS erreicht hätten…

23…

24….

Spätestens JETZT dürfte klar sein, weshalb die bedinungslose Liebe wirklich unser aller Ziel sein sollte.

Zumindest früher oder später.

Hach, was wäre das für eine Welt!

Und jetzt kommt was wirklich Abgefahrenes: Es liegt an uns, diese Welt zu erschaffen.

Und noch viel abgefahrener: Jeder fängt NUR BEI SICH an. Anders geht es nicht.

Das gilt auch – oder vor allem dann – wenn wir wirklich, wirklich tiefe und schreckliche Verletzungen davon getragen haben. Ohne Herausforderung wär’s doch langweilig 😉

Vergebung ist eine Mammuthaufgabe

Es gab da eine Zeit, da steckte ich wirklich bis zum Hals in heftigen Transformationsprozessen. Ich habe mich sehr oft sehr ausführlich mit Erzengel Michael unterhalten.

Und bei einer Gelegenheit machte er mir klar, dass die Vergebung meinem Vater gegenüber eine Aufgabe sei, die ich noch in dieser Inkarnation erfüllen dürfe.

Und zwar, so lange mein Vater noch lebt.

Auf Seelenebene hatte ich seine Tat nämlich irgendwann angenommen.

Aber „richtige“ Vergebung war das noch nicht.

„Puhhh…das ist aber ’ne ganz schöne Mammuthaufgabe.“, sagte ich.

Er grinste: „Ja, das ist es“.

Diesen Dialog werde ich vermutlich nie vergessen.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ich noch Zeit brauchen würde. Und ich habe mir diese Zeit genommen.

Ich habe akzeptiert, dass ich erstmal noch wütend sein wollte.

Darüber, was er mir alles genommen hat.

Darüber, dass ich mir so vieles mühsam erarbeiten musste.

Darüber, dass ich Sophia meine Wut vererbt hatte.

Der Schaden ist nicht irreversibel

Was mir wirklich geholfen hat, war die Erkenntnis, dass all das, was mein Vater mir angetan hatte, nichts war, was sich nicht wieder hätte rückgängig machen lassen.

Ich selbst hatte die Opferposition längst verlassen. Ich hatte mich verändert.

Und als wir Sophia mit Kundalini-Reiki geholfen haben, die Wut einer erwachsenen, verletzten Frau abzulegen (echt jetzt, die hab ich ihr leider mitgegeben), wurde mir klar: Das ist ja gar nicht irreversibel.

Er hat mir ja gar nichts auf Lebenszeit genommen.

Es ist an mir. Allein an mir. Es obliegt meiner Verantwortung.

In diesem Moment ließ ich los (und ich spüre die Leichtigkeit, wo ich das gerade schreibe).

Ich musste nicht mehr wütend sein. Es gab einfach keinen Grund mehr dafür.

Ich war voll und ganz Herrin meiner Selbst. Und mein Vater, seine Taten…der Schaden, den er angerichtet hatte, war einfach nicht mehr da.

Es gab keinen Schaden mehr.

Ich vergab ihm.

Nocheinmal:

Ich habe meinem Vater ehrlich und aufrichtigen Herzens vergeben, was er getan hat.

Auch, weil ich verstanden habe, WARUM er es tat (aber das gehört in einen eigenen Artikel).

Papa, ich habe dir vergeben, was du getan hast.

Es ist okay.

Es war nicht nur deine Verantwortung.

Wir waren beide in der Verantwortung.

Wir haben diese Tat gemeinsam beschlossen, bevor wir inkarniert sind.

Aus Liebe zu mir, hast du getan, was du getan hast.

Aus bedingungsloser Liebe.

Damit ich werden konnte, wer ich heute bin.

Dafür liebe ich dich. Und ich danke dir.

Deine Tochter Jasmin

Allein, dass ich ganz selbstverständlich wieder das Wort „Papa“ gebrauche und es auch liebevoll so meine, ist für mich ein Zeichen. Ziemlich lange war er nur „er“ oder „der Vater“ oder „Peter“.

Echt jetzt: Vergebung ist einfach ein gigantischer Befreiungsschlag.

Bist du betroffen? Fühl dich umarmt!

Ich verstehe, wenn dir das, was ich geschrieben habe, jetzt erstmal einen Stich versetzt. Vielleicht bist du sogar wütend auf mich, weil ich hier so eine Behauptung aufstelle.

Ich versichere dir: Ich verstehe dich.

Und du hast alles Recht auf all deine Gefühle, die du gerade durchlebst.

Das bedeutet, dass du zu meinen Aussagen in Resonanz gehst. Und auch, wenn das für dich jetzt noch unvorstellbar scheint (schien es mir ja auch lange Zeit): Lass einfach mal alles sacken.

Du MUSST ja nicht. Wir müssen NICHTS.

Aber, wie eine liebe Freundin immer sagt, Worte, einmal ausgesprochen, bewegen was.

Und genau das war mein Ziel.

Das heißt jetzt nicht, dass du alles genau so machen sollst.

Aber dieser Weg hat MEIN Leben verändert. Und das wünsche ich jedem Opfer, dieses Gefühl von Erleichterung und Liebe. Diesen abgefahren-genialen Befreiungsschlag.

Und irgendwann, egal wie lange es dauert, bist vielleicht auch du bereit, diese Mammuthaufgabe in Angriff zu nehmen. Und bevor du dich jetzt selbst unter Druck setzt: Das muss ja gar nicht in diesem Leben sein.

Aber sei dir sicher: Du bist so viel stärker, als du vielleicht jetzt gerade glaubst.

Du bist ganz wundervoll, und in dir steckt wahnsinnig viel Potenzial.

Trau dich. Geh deinen Weg.

Hab den Mut, über deine Erlebnisse zu sprechen. Und hab den Mut, um Hilfe zu bitten, wenn du Hilfe brauchst.

Sei schamLOS, denn du brauchst dich für nichts zu schämen.

Fühl dich geliebt, umarmt und gesegnet in deinem wundervollem Sein.

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3 Gedanken zu “Papa, ich vergebe dir | Eigenverantwortliche Heilung nach sexuellem Missbrauch

  1. Herzlichen Dank für deine klaren Worte.
    Ich weiß wovon du sprichst. Ich bin auch diesen Weg gegangen und es ist wirklich gut geworden. Mein Gleichgewicht kehrt zurück und ich beginne wieder zu fühlen. Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Weg gehen darf
    Herzliche Grüße
    Silke

    1. Hallo Silke! Ich danke dir für dein Feedback. Ja, dankbar bin ich auch. Heute. Hat allerdings ’ne ganze Weile gedauert. Aber das Schöne ist ja: Jede*r von uns kann sich genau die Zeit nehmen, die sie/er braucht. Fühl dich herzlich umarmt.

  2. Liebe Jasmin,
    unvorstellbar, dass Du Hasstiraden auf Deinen Post erhalten hast.
    Ich wurde von meinem Vater auf den nackten Po gehauen und habbe mich bis ins Erwachsenenalter dafür geschämt. Das fing an aufzuhören, als ich in einem Seminar eine Frau sagen hörte, dass sie eine geschlagene Tochter sei.
    Dir alles Liebe und weiter so!

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